SELBST-Werdung

durch meditatives Erleben

Das Institut für Meditationsbasierte Psychotherapie und Verhaltensmedizin fördert die Erforschung und Integration aller Aspekte, Qualitäten und Bereiche von Meditationstiefe.  

In ihrer ursprünglichen Bedeutung hatte "Heilung" nichts mit dem Herausschneiden oder Abtrennen von "Krankheit" zu tun, sondern mit der Linderung von Leiden, und darüber hinaus auch mit der Wiederherstellung und Bewahrung der Unversehrtheit individueller Ganzheit. Heilwerdung bedeutet, wörtlich übersetzt, "Ganzwerdung". Die Einheit von Leib, Seele und Geist steht dabei im Zentrum. Auch bei Meditation geht es um die bewusste Integration all dessen, was ICH BIN. Das, womit ich mich unbewusst identifiziere, was leidvoll, vergänglich, defizitär  ist, gilt es dabei zu transzendieren. Vorher muss ich es aber akzeptieren. Heilung geht nicht ohne Mitgefühl, das auf einer inneren Verbundenheit mit dem Leid bzw. Leidenden basiert. Die Motivation zur Heilung entspringt dem Wunsch, den leidenden Menschen glücklich zu sehen. In der Meditation kann ich lernen, mich selbst (und andere) anzunehmen und zu umarmen, mit all dem, was da ist, sei es Angst, Kummer, Depression, Schmerz oder einfach nur Leid.



Unsere Vision für die Zukunft

What We Do

Wir streben danach, Bewusstseinsforschung voranzutreiben und Wissen zu vermitteln, um  Meditationspraxis, Bewusstseinskultur, Gesundheitsverhalten und Public Health zu stärken.

innovative Forschung

Die positive Bedeutung von Meditation für die seelische Gesundheit, Verhaltensmedizin und Psychotherapie konnte mehrfach und vielfältig empirisch nachgewiesen werden. Meditation fördert die seelische Gesundheit, Beschwerdefreiheit, Sinnerfülltheit, Selbstakzeptanz, Liebesfähigkeit, Selbsttranszendenz, Autonomie sowie das Gesundheitsverhalten nachhaltig und trägt zu einer Verkürzung der Therapiedauer und Reduktion von Medikamenten bei. Die relevanteste Dimension dabei ist die Meditationstiefe. 

Bildungsförderung

Wir engagieren uns für die Verbreitung des vielfältigen, differenzierten und  transkulturellen Wissens über Meditation, ihre Methoden, Wege, 

Wirkungsebenen und modernen Anwendungsmöglichkeiten. In Form von Vorträgen, Seminaren, Tagungen, Kursen und Weiterbildungen leisten wir unseren Beitrag für eine  ganzheitliche, integrative Gesundheitspsychologie und -Pädagogik. Der Dimension "Meditationstiefe" kommt dabei eine Schlüssel-Rolle zu.

Theorieförderung

Durch unsere Arbeit fördern wir die Entwicklung, Erforschung und Umsetzung neuer Ideen, Theorien und Ansätze für die Zukunft des Gesundheitswesens und der öffentlichen Bewusstseinskultur. Die Erkenntnisse über Meditation und Meditationstiefe (im transkulturellen Sinne) revolutionieren das Menschenbild ganz ähnlich, wie dies die Quantenphysik bezüglich des Weltbildes tat. Neue, erweiterte, umfassendere Theorien und Bewusstseinsmodelle sind daher erforderlich. 

Initiativen

Laufende Forschungsprojekte

Meditationstiefe und Gesundheit

Die Zusammenhänge zwischen Meditationstiefe und gesundheitlichen Variablen werden systematisch untersucht.

Meditationstiefe und Persönlichkeit

Die Zusammenhänge zwischen Meditationstiefe und Persönlichkeitsentwicklung werden systematisch erforscht.

Meditationstiefe und Behandlungsverläufe

Die Bedeutung von Meditationstiefe für  Prävention,  Salutogenese, Rehabilitation, Behandlungserfolge und Trainingseffekte wird metatheoretisch, empirisch und methodisch erarbeitet und analysiert. Meditationstiefe spielt in der Meditationsbasierten Psychotherapie (z.B. in der TVT) die zentrale Rolle.


Erfahren Sie mehr über Meditation, Erkenntnisse der Meditationsforschung und die zentrale Bedeutung der Meditationstiefe für seelische Gesundheit, persönliche Entwicklung, Heilung und Transformation


Die empirisch gefundene Dimension "Meditationstiefe" ist transkulturell, traditionsübergreifend, methodenunabhängig. Sie gehört zum Potenzial des menschlichen Bewusstseins und spannt ein Spektrum von Tiefenbereichen auf, die alle ihre Bedeutung und Berechtigung für die persönliche Entwicklung, charakterliche Reifung und Entfaltung der Seele haben. Wie diese Dimension auf empirisch-wissenschaftlichem Wege entdeckt, validiert und analysiert wurde, erfahren Sie in meiner Doktorarbeit "Meditation und ihre Bedeutung für die seelische Gesundheit" und dem darauf aufbauenden, weiterführenden Werk "Meditationstiefe: Grundlagen, Forschung, Training, Psychotherapie". Der Meditationstiefe-Fragebogen (MTF) wurde mittlerweile in viele Sprachen weltweit übersetzt und mit verschiedenen Fragestellungen zur Erforschung von integraler Gesundheit, seelischer Entwicklung, Bewusstseinsveränderungen und persönlicher Reife eingesetzt. Der "Meditation Depth Questionnaire" (MEDEQ) wird z.B. ausführlich beschrieben in dem Buch "Handbook of Assessment in Mindfulness Research". 


An und für sich ist Meditationstiefe ein subjektives Phänomen. Aber sie ist objektivierbar, so dass intrasubjektive wie auch intersubjektive Vergleiche möglich werden. Wie ich in meinen Studien zeigen konnte, stimmen sehr erfahrene Meditationsexpertinnen und -experten (autorisierte Lehrer/innen) unterschiedlicher Traditionen in der Beurteilung verbalisierter Meditationserfahrungen hinsichtlich ihrer ausgedrückten Tiefe hochsignifikant überein. Der Übereinstimmungskoeffizient Kendall`s W betrug 0,7 (absolute Übereinstimmung wäre W=1). Somit ließ sich eine traditionsunabhängige und methodenübergreifende Dimension der Meditationstiefe evaluieren und validieren. Die fünf Tiefenbereiche, die mit einer Clusteranalyse (nach Ward) auf der Basis dieser 40 Experten-Ratings ermittelt wurden, bedeuten folgendes:


Erster Bereich: Hindernisse


Wer mit Meditation zum ersten Mal beginnt, kommt nicht umhin, erst einmal dem automatisch ablaufenden, noch wenig kontrollierbaren, eigendynamischen inneren Geschehen ausgesetzt zu sein. Da ist nichts falsch dran. Wie bei jedem Weg lassen sich die ersten Schritte nicht vermeiden. Die ersten Stufen einer Treppe müssen genommen werden, wenn es weiter hoch hinauf gehen soll. Da sind erst einmal jede Menge Gedanken, Sorgen oder Erinnerungen, die durch den Kopf schwirren, vielleicht auch mit unschönen Emotionen verbunden. Auch der Körper fühlt sich wahrscheinlich nicht sofort munter, harmonisch oder glückselig an. Der/die Übende wird somit erst einmal mit eigenen Erwartungen, Hoffnungen, Befürchtungen, Bewertungen, Voreingenommenheiten, Widerständen und dergleichen konfrontiert. Viele kommen nach dieser anfänglichen Erfahrung zu dem Schluss: "Meditation ist nichts für mich. Ich kann das nicht. Wer werden keine Freunde". Das ist schade, denn wer meint, mit Meditation keine Freundschaft schließen zu können, sagt im Grunde genommen damit aus: "Ich bin mir selbst nicht Freund". Denn was in der Meditation erfahren wird, bin immer nur "ich selbst". Die Inhalte von "ich selbst" wechseln natürlich, verändern sich, werden zunehmend subtiler, leerer, offener und weiter. Sie lassen sich irgendwann nicht mehr fassen. Irgendwann werden Subjektkonzepte wie "Ich" oder "Selbst" wie auch Objektkonzepte wie "Welt" oder "Wirklichkeit" transzendiert. Doch um dorthin zu kommen, ist ein Weg des Praktizierens erforderlich. Übung macht den Meister. Nicht-Übung zwar auch, dauert aber länger.

Methoden, die in die Meditation führen können, sind Konzentration, Achtsamkeit, Introspektion, Kontemplation und Hingabe. Je nach gewähltem Meditationsobjekt lassen sich natürlich noch viel mehr Ansätze unterscheiden, so z.B. objekt-bezogene Betrachtungen, Visualisierungen, Atem-Erleben, Körperbewegungen oder -haltungen (Asanas), Selbst-Wahrnehmung auf verschiedenen Ebenen, Rituale usw. 

Unabhängig von der gewählten Methode, möge sie noch so gut sein, lassen sich anfängliche Hindernisse oder auch später noch zu nehmende (vielleicht auch neue) Hürden nicht vermeiden. Diese sind: Unruhe, Gedankenrasen, Dösigkeit, Langeweile, Unwohlsein und natürlich auch methodische Probleme oder Unklarheiten. Wenn sich hinter dem Unwohlsein eine krankheitswertige Symptomatik befindet, muss natürlich darauf hingewiesen werden, dass eine meditative Übungspraxis keine ärztliche oder psychotherapeutische Behandlung ersetzen, wohl aber sinnvoll ergänzen kann. Kontraindikationen bestehen bei einer akuten Psychose. 


Zweiter Bereich: Entspannung


Wenn auf einem meditativen Übungsweg die anfänglichen Hindernisse durch viel Geduld, Akzeptanz und Aufmerksamkeits- bzw. Selbstregulation überwunden werden, stellt sich zunächst einmal eine zunehmend tiefer werdende Entspannung ein. Diese äußert sich in einer ruhigen, fließenden und gleichmäßigen Atmung, einem leichten, transparenten, spannungsfreien Körpergefühl und einem generellen Wohlbefinden. Das Item "Ich fühlte mich gut" drückt diese Erfahrung einfach und klar aus. 

In der öffentlichen Wahrnehmung der Medien und Wissenschaften galt Meditation bislang als eine Entspannungstechnik. Viele Studien konnten zeigen, dass meditative Techniken wie Mantra-Meditation oder auch Achtsamkeitsmeditation den reinen Entspannungstechniken wie PM (Progresse Muskelrelaxation) oder AT (Autogenes Training) überlegen sind.


Dritter Bereich: Konzentration


Natürlich ist Meditation mehr als bloße Entspannung. Schließlich geht es auch darum, den Geist zu klären. Unabhängig von der gewählten Methode werden in diesem mittleren Tiefenbereich die Früchte einer erfolgreich praktizierten Selbstregulation oder Aufmerksamkeitssteuerung erfahren. Die Meditation läuft nun insgesamt konzentrierter und trägt sich selbst. Ein Meditations-Flow entsteht. Die Aufmerksamkeit wird stabiler, wacher, klarer. Eine innere, konzentrierte, starke, subtile Energie wird erlebt. Mit weiterhin wachsender geduldiger Ausdauer stellen sich mit der Zeit Gleichmut und innerer Frieden ein. Gedankliche Bewegungen können die Klarheit des Bewusstseins nicht mehr trüben und nehmen ab. In diesem mittleren Tiefenbereich können auch sehr wertvolle, essenzielle, neuartige, tiefgründige Einsichten, Einblicke, Erkenntnisse, Ideen, Visionen oder Lichtblitze auftauchen, die vielleicht besser sofort oder nachher notiert werden sollten, um sie nicht zu vergessen. Dies liegt daran, dass eine geistige Ruhe, Stille und Klarheit die ideale Voraussetzung für eine intrapersonale, interpersonale und transpersonale Offenheit darstellt. In dieser Offenheit werden die Grenzen nach unten (subpersonal), nach außen (interpersonal) und nach oben (transpersonal) durchlässiger. Wertvolle Einsichten, die das Leben und die Wirklichkeit betreffen, insbesondere in die innerpsychische Dynamik (intrapersonal), in Beziehungsdynamiken (interpersonal) und in das kosmische Eingebundensein (transpersonal), treten nun mit großer Wahrscheinlichkeit zutage, und zwar während oder nach der Meditationspraxis, vielleicht auch den Alltag begleitend. Dies erklärt unter anderem, warum Menschen, die konzentriert, enthusiastisch, regelmäßig und zuverlässig einer meditativen Übungspraxis nachgehen, oftmals eine Kurskorrektur ihres Lebensweges oder Alltagsvollzuges für sinnvoll erachten, als notwendig begreifen oder gar als zwingend erforderlich empfinden, und dann diese auch durchführen oder zumindest daran arbeiten. 


Vierter Bereich: Essenzielle Qualitäten


Nun wird die Meditation transpersonal. Die personale Ebene mit den Übungen und Prozessen des Beeinflussens, Steuerns, Kontrollierens, Regulierens usw. wird nun überwunden. Konzentration, Achtsamkeit und Introspektion sind irgendwann in ausreichendem Maß vorhanden, stabil, klar, nahezu ausgeschöpft, vielleicht auch ausgereizt. Die meditative Entwicklung geht dennoch weiter und führt darüber hinaus, in transpersonale Erfahrungen, Zustände und Erlebniswelten hinein. Essenzielle Qualitäten, die nun erfahren werden, sind transpersonaler Natur, das heißt sie führen in einen Bewusstseinsraum, Erlebensfluss, Gefühlszustand hinein, der die Hülle des Körpers und das hautverkapselte Ich transzendiert. Wir empfinden uns als Teil von etwas, das uns größer, wertvoller, essenzieller erscheint als das eigene Ich, die eigene Person und der eigene Alltag. Liebe, Hingabe, Verbundenheit, unermessliche Freude, Glück, Dankbarkeit, Demut und Gnade sind solche essenziellen Qualitäten, die nicht der eigenen Person, dem eigenen Ich, Körper oder Denken entspringen, sondern von einer transpersonalen und transrationalen Wirklichkeit künden, eine solche bezeugen oder zum Ausdruck bringen. Welt- und Selbstbilder, Glaubensvorstellungen oder Meinungen sind hier unerheblich, denn es geht hier um eine unmittelbare, sehr reale, deutliche, intensive Erfahrung. Da sich solch glückliche, selige, erfüllende oder überfließende Meditationserfahrungen oder Momente nicht festhalten lassen, muss der/die Praktizierende immer mal, hin und wieder, auf die Ebene des dritten Tiefenbereiches, der Selbstregulation oder Aufmerksamkeitssteuerung, zurückgreifen. Ergreifen kann man ab dem vierten Tiefenbereich nichts mehr, man wird höchstens ergriffen. Ab hier gilt: Nicht ich meditiere, es meditiert!


Fünfter Bereich: Nicht-Dualität


Im fünften Tiefenbereich kommt das Bewusstsein in seinem Seins-Grund an. Da gibt es keine Grenzen mehr. Es ist nun nicht mehr in irgend einer Weise konfiguriert, identifiziert, skalierbar oder unterscheidbar. Es wird in seiner grundsätzlichen Nicht-Dualität erfahren, als leer, all-eins, formlos und zeitlos. Da ist kein Subjekt und kein Objekt mehr, kein Gegenstand oder Inhalt, kein Anfang oder Ende, kein Gedanke und kein Denker. Dieser Zustand des Angekommen-Seins (im überzeitlichen, nicht-linearen Sinne!) ist in sämtlichen meditativen Traditionen gut dokumentiert worden. Er darf nicht mit einer emotionslosen Gleichgültigkeit, körperlichen Antriebslosigkeit, geistigen Lethargie oder apathischen Teilnahmslosigkeit verwechselt werden. Die geistige Wachheit ist erhöht, nicht vermindert. Die vorherigen Tiefenbereiche werden nicht ausgelöscht, sondern integriert. So bilden Konzentration, Achtsamkeit, Wachheit und Klarheit weiterhin Qualitäten des Bewusstseins, und Liebe, Verbundenheit, Mitgefühl und Freude sind weiterhin Qualitäten des Erlebnis-Stroms. Gefühle werden noch subtiler als im vorherigen Tiefenbereich, falls man sie überhaupt noch so bezeichnen oder einordnen kann. Ich nenne sie daher lieber „transpersonale Qualitäten“. Sie werden nicht von außen, vom Gehirn, vom Körper oder vom Ich kontrolliert. Sie sind nicht mehr getrennt von jenem unerschütterlichen Gleichmut und grenzenlosen Frieden, von dem die Erwachten berichten. Es wäre jedoch falsch, von einer Gefühlslosigkeit in diesem Tiefenbereich zu sprechen. Typischerweise resultiert aus dem Andocken im Seins-Grund eine sehr tiefe und beglückende Demut, Liebe und universelle Verbundenheit. Emotionale Kälte, Hochmut, Überheblichkeit oder Stolz sind mit diesem Tiefenbereich unvereinbar. Sanftmut und innere Stärke gehen hier Hand in Hand. Der Mensch, der hier angekommen ist, ist bildlich gesprochen sowohl der Fels in der Brandung wie auch der alles-umfassende Ozean, wie auch der grenzenlose Grund aller Meere.



Neurobiologische Korrelate

 

Da das Gehirn der stoffliche Träger von Bewusstsein ist, verwundert es nicht, dass sich meditative Bewusstseinszustände auch auf die neurobiologische Ebene auswirken. Es konnte mehrfach nachgewiesen werden, dass Meditation die Neuroplastizität und das Wachstum der grauen und weißen Substanz fördert. Neuroplastizität bezeichnet die Fähigkeit des Gehirns zur Neubildung. Sie bedeutet inhaltlich bzw. psychologisch, dass negative Erfahrungen und Konditionierungen „überwachsen“ werden können. Wachstum und Dichte der Nervenfasern in wichtigen Hirnarealen, so z.B. im mittleren Präfrontal-Cortex, im orbitofrontalen Cortex, im Insel-Cortex und Hippocampus, nehmen durch Meditation zu. Der mittlere Präfrontal-Cortex steht mit Aufmerksamkeitsregulation in Zusammenhang, der orbitofrontale Cortex mit Emotionsregulation, der Insel-Cortex mit leib-seelischem Wohlbefinden und der Hippocampus mit dem Gedächtnis. 

Die Aktivierung, das Wachstum und die Dichte von Spiegelneuronen scheinen ebenfalls von regelmäßiger meditativer Praxis zu profitieren. Die Spiegelneuronen ermöglichen dem Gehirn, sich auf Mitmenschen einzustimmen, und haben etwas mit der Empathiefähigkeit und  emotionalen Schwingungsfähigkeit zu tun.

 

Auch die „Software“ wird durch Meditation positiv beeinflusst. Das Gehirn lernt neue Reaktionsweisen kennen. Es reagiert bei Langzeitmeditierenden nicht so sehr mit Stress, Anspannung, Nervosität, Panik, Abwehr oder Aggression auf kritische Situationen, sondern profitiert von einer situationsübergreifenden Gelassenheit, Klarheit und flexiblen, fein abgestimmten Handlungsfähigkeit. Durch Angst, Aggression und Stress bedingte Adrenalin- und Cortisol-gesteuerte Reaktionsmuster werden seltener, jene durch Intention, Kooperation und Achtsamkeit motivierte neuronale Feuermuster und Aktionspotenziale werden häufiger. Meditation wirkt hemmend auf Adrenalin-Freisetzung und förderlich für die Serotonin- und Dopamin-Synthese bzw. - Ausschüttung. D.h. Meditation fördert einerseits Stressabbau, Entspannung und Wohlbefinden (Serotonin), andererseits Konzentration, Achtsamkeit, Selbstwirksamkeit und Enthusiasmus (Dopamin). Es gibt aber auch widersprüchliche Ergebnisse zur Wirkung von Meditation auf die Endokrinologie. Ich habe hier lediglich Tendenzen wiedergegeben. Der Forschungsstand ist selbstverständlich nicht abgeschlossen.

 

Meditation begünstigt Lern- und Entwicklungsprozesse. Der Mensch wächst über sich selbst hinaus, indem er durch meditationsevozierte Einsichten und bewusstseinserweiternde Erfahrungen dazulernt. Dieses Prinzip spielt in der Verhaltenstherapie eine große Rolle, denn der Mensch kann aktiv dazu beitragen, mehr positive Erfahrungen in sein Leben zu lassen. Meditation hilft, mit sich und dem Leben in Einklang zu kommen. Ängste und depressive Zustände werden dadurch abgebaut und ihre Auftrittswahrscheinlichkeit seltener. Erfahrungen sind aber nicht einfach nur „positiv“ oder „negativ“, sondern können grundsätzlich durch kognitive und intuitive Prozesse der Erkenntnis und Sinngebung eine letztendlich entwicklungsbezogene Bedeutung erhalten und wachstumsförderlich wirken.

 

Tiefe Meditation fördert breitflächige Vernetzungen und Synergie-Effekte im Gehirn. Die interne Kommunikation und das synergetische Zusammenspiel zwischen verschiedenen Hirnarealen verbessern sich. Man nennt das auch „Neuronale Integration“. Meditation fördert die kooperative Zusammenarbeit von „Kopf“, „Herz“ und „Bauch“. Rationalität, Gefühl und Intuition müssen sich schließlich nicht ausschließen. Ihr ergänzendes, komplementäres, sich gegenseitig bereicherndes und befruchtendes Potenzial wird durch Meditation gefördert. Dies zeigen die breitflächigen Gammawellen-Synchronisationen in den verschiedenen Hirnarealen.

  

Die Unterschiede zwischen den verschiedenen Tiefe-Graden der Meditation können zwar gegenwärtig noch nicht sicher im Gehirn diskriminiert und lokalisiert werden, aber grundsätzlich lassen sich folgende Aussagen treffen:

 

Erster Tiefenbereich: Hindernisse

Unter den Gehirnwellen sind es die Betawellen, die für Zustände mentaler Erregung, Grübeleien und für diskursives Denken stehen.         Negative Emotionen wie Angst, Missgunst, Eifersucht, Neid, Wut und Hass korrelieren mit der neuronalen Aktivität im rechten Amygdala-Kern. Die Faserdichte in diesem Bereich bildet sich bei Langzeit-Meditierenden zurück. Übermäßige Aktivitäten des sympathischen Nervensystems (hoher Blutdruck, schneller Puls, flache und kurze Atmung), Ausschüttungen von Adrenalin, Noradrenalin und Cortisol sowie Serotonin-Mangel stellen Hindernisse bei der Meditation dar bzw. korrelieren mit solchen.

 

Zweiter Tiefenbereich: Entspannung

Alphawellen treten bereits in Zuständen leichter, beginnender Entspannung auf. Eine Innervation der parasympathischen Nervenfasern korreliert mit Entspannung. Man spricht von einem „trophotropen“ Zustand, wenn der Parasympathikus aktiver ist als der Sympathikus, bzw. wenn das Gleichgewicht des vegetativen Nervensystems Richtung Parasympathikus tendiert. Der trophotrope Zustand ist für die organische Gesundheit, das Immunsystem und das Herzkreislaufsystem von großer, salutogener Bedeutsamkeit. Wohlbefinden und ein gutes Körpergefühl korrelieren mit der Nervendichte im Insel-Cortex der rechten Hemisphäre.

 

Dritter Tiefenbereich: Konzentration

Thetawellen treten in Zuständen entspannter Konzentration und Geistesruhe auf. Sowohl bei Zen-Buddhisten wie auch bei Yogis wurden sie verstärkt in der tiefen Meditation festgestellt. Bei fortgeschrittenen Meditierenden ist die Dichte der Nervenfasern im mittleren Präfrontal-Cortex, der für Aufmerksamkeitssteuerung relevant ist, größer. Aber auch schon die Teilnahme an einem achtwöchigen Achtsamkeitskurs führte bei Anfängern zu einem Wachstum der Nervenfasern in diesem Hirnareal. Die Emotionsregulation korreliert mit der neuronalen Aktivität im orbitofrontalen Cortex. Fortgeschrittene Meditierende zeigen auch in diesem Areal eine erhöhte Nervendichte.

 

Vierter Tiefenbereich: Essenzielle Qualitäten

Gammawellen-Peaks werden meist nur bei sehr fortgeschrittenen Meditierenden beobachtet und stehen in Zusammenhang mit Erfahrungen unermesslicher Freude und außergewöhnlicher Klarheit, dem Erleben einer subtilen Energie und inneren Leichtigkeit, von Körper-, Form- und Zeitlosigkeit, wie auch grenzenlose Verbundenheit, universelles Mitgefühl oder allumfassende Liebe. Bei sehr geübten Mönchen der Mitgefühlsmeditation, Metta-Meditation und Kontemplation wurden breitflächige Gammawellen beobachtet, die in verschiedenen Hirnarealen synchron auftraten, so im Präfrontal-Cortex, Neocortex, Hippocampus, in den Spiegelneuronen-Systemen und sogar teilweise im Motorcortex. Die Repräsentationen bzw. Begriffe von Körper, Raum und  Zeit im Gehirn werden transzendiert. Die Synchronisation der unterschiedlichen Hirnareale durch die Gammawellen-Peaks lässt sich umgangssprachlich so verstehen, dass Kopf, Herz und Bauch - oder anders ausgedrückt: Geist, Seele und Leib - zusammenkommen und als eine Einheit erfahren werden. Außerdem wird auch die Innen-Außen-Grenze transzendiert.

 

Fünfter Tiefenbereich: Nicht-Dualität

Möglicherweise korrelieren Gammawellen-Synchronisationen auch mit dem Erleben von Einssein bzw. Erfahrungen der Verschmelzung mit dem Leben, dem Universum oder dem absoluten Sein. Die Deltawellen können dem Erleben mentaler Stille, eines leeren grenzenlosen Bewusstseins und einer Auflösung der Subjekt-Objekt-Dualität zugeordnet werden. Sie kommen daher als Indikator für den fünften Tiefenbereich in Frage. Ihr Auftreten muss aber nicht zwangsläufig ein Garant für diesen sehr erhabenen Geisteszustand darstellen. Die Meditationsforschung steckt noch in den Kinderschuhen.

 

All diese Zuordnungen sind nicht absolut gesichert und eindeutig. Es handelt sich dabei um Interpretationsversuche. Gerade die EEG-Wellen des Gehirns lassen sich nicht immer eindeutig interpretieren und einem einzigen Tiefenbereich zuordnen. Sie können je nach lokalem Auftreten und Zusammenhang unterschiedliches bedeuten. Besonders Thetawellen werden in der Literatur sehr heterogen diskutiert. In der Meditationsforschung werden sie meist mit mentaler Ruhe, entspannter Konzentration oder gar Versenkung in Zusammenhang gebracht. Außerhalb der Meditationsforschung wurden sie aber auch schon als Indikatoren von Dösigkeit, Tagträume oder Intuition gewertet oder dem REM-Schlaf zugeordnet. Wie auch immer, das diskursive Denken ist in diesem Zustand wohl eher inaktiv.


  

 

Sollten Sie weiterführendes Interesse haben, verweise ich auf meine Publikation

„Meditationstiefe“: 

https://link.springer.com/book/10.1007/978-3-662-58881-9

 


Weiterbildung für Psychotherapeut*innen

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Lassen Sie sich inspirieren von den Möglichkeiten und Inhalten der Meditationsbasierten Psychotherapie (MBP). Das nächste Einführungs-Seminar mit einer Akkreditierung von 25 Punkten können Sie bei mir erfragen. 

Es gibt viele Wege der Meditation und Achtsamkeitsschulung, die zu einem heilsamen Bewusstseinszustand hinführen, der durch Klarheit, Verbundenheit, Tiefe, Selbstregulation, Flow und Selbsttranszendenz gekennzeichnet ist.

An diesem Wochenend-Seminar werden traditionelle und neuere Methoden der Meditation und Achtsamkeitsschulung in Theorie und Praxis vorgestellt. Letztere beziehen sich vor allem auf psychotherapeutische Anwendungsmöglichkeiten für die Verbesserung der seelischen Gesundheit. Die Bedeutung und Einsetzbarkeit von meditativen Methoden und Achtsamkeitsübungen für Prävention, Resilienz, Rehabilitation und Psychotherapie bilden den Schwerpunkt dieses Seminars.

Es bildet den Einstieg für die optionale Weiterbildung "Meditationsbasierte Psychotherapie", die auf einen Zeitraum von zwei Jahren angelegt ist. In ihr finden die essenziellsten übungs- und erfahrungsbasierten Elemente der Psychosynthese und Transpersonalen Verhaltenstherapie zusammen. Die Psychosynthese ist die erste tiefenpsychologische Schule mit einer transpersonalen und meditationsbasierten Ausrichtung. Die Transpersonale Verhaltenstherapie (TVT) ist die erste lerntheoretisch fundierte Therapieschule mit einer transpersonalen Orientierung und meditationsbasierten Schwerpunktsetzung. Beide ergänzen sich vorzüglich, denn die transpersonale Erweiterung des Bewusstseinshorizontes und Verhaltensspielraumes durchdringen sich gegenseitig. Im unmittelbaren, unkonditionierten Erleben und Verhalten vollzieht sich der transpersonale Bewusstseinsstrom als Präsenz- und Resonanz-Flow, der ungehindert fließt und jegliche Identifikation mit Glaubenssätzen,  Selbstbildern, Persönlichkeitsteilen und Reaktionsmustern hinter sich lässt, überwindet und überflüssig macht. 

 

Teilnahmegebühr für das Einführungsseminar am Wochenende: 240,- Euro 

Anmeldung und weitere Infos: Dr.Piron@gmail.com




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